20 Jahre ÖV-Symposium

Für manche ist es die Gamescom der öffentlichen Verwaltung in NRW, für andere eine Art digitales Klassentreffen und für wiederum andere einfach das ÖV-Symposium. Als die Veranstaltung 1999 ins Leben gerufen wurde, gab es noch keine Smartphones, keine Tablets und die IT-Welt fürchtete den so genannten Millennium Bug. Damals begrüßten die Veranstalter Materna und Infora gerade einmal 50-60 Teilnehmende. Beim 20-jährigen Jubiläum des Symposiums ist die Welt eine andere: Die IT-Branche diskutiert über Cloud Computing, Künstliche Intelligenz und Machine Learning. Aus den 50-60 Gästen sind einige Hundert geworden, die sich am 10.09.2019 im Congress Center Düsseldorf eingefunden haben. „NRW!Digital – Gemeinsam erfolgreich auf dem Weg“ lautet das Motto der Jubiläumsveranstaltung unter der Schirmherrschaft des nordrhein-westfälischen CIOs.

Als Keynote-Speaker forderte Staatssekretär Christoph Dammermann: „Digitalisierung soll Lebensqualität zurückgeben“. Er freue sich, dass in NRW die Themen der Digitalisierung in einem Ressort, dem Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie, gebündelt sind und betonte gleichzeitig, dass auch die weiteren NRW-Ministerien in ihren jeweiligen Ressorts auf digitale Lösungen setzten.

Dr. Marco Kuhn vom Landkreistag NRW betonte die Rolle der d-NRW AöR beim Thema verwaltungsebenenübergreifende Prozesse und lobte den Fortschritt in der Vertretung kommunaler Belange in Nordrhein-Westfalen. Beim zentralen Thema Onlinezugangsgesetz (OZG) forderte er eine stärkere Unterstützung durch den Bund.

Die d-NRW AöR war auf dem 20. ÖV-Symposium mit folgenden Vorträgen vertreten:

OZG – „Einer für alle“ – wie soll das gehen?
Das Onlinezugangsgesetz (OZG) fordert die Bereitstellung von Online-Zugängen zu allen Verwaltungsleistungen auf allen Ebenen. Nicht weniger als 575 Verwaltungsleistungen sollen bis Ende 2022 digital zur Verfügung gestellt werden. „Wenn jeder alles für sich macht, werden wir nicht rechtzeitig fertig,“ so Christian Neumann, Projektleiter bei der d-NRW AöR. Daher ist die Umsetzung der „Einer für alle“-Idee ein zwingender Erfolgsfaktor. Dabei geht es darum, nicht nur Blaupausen für gemeinsame Lösungen zu entwerfen, sondern echte Online-Dienste zu entwickeln, die universell auf allen Plattformen im Land NRW eingesetzt werden können. Auch die außerhalb von NRW entwickelten Dienste müssen in NRW reibungslos eingesetzt werden können. Um diese Ziele zu erreichen, hat der Aufbaustab OZG NRW unter Leitung des CIO und unter Beteiligung der Ministerien, kommunaler Spitzenverbände, dem Dachverband kommunaler IT-Dienstleister KDN und der d-NRW AöR eine „Arbeitsgruppe Technik“ ins Leben gerufen. Im Vortrag stellte die Arbeitsgruppe den Stand der Konzeption vor und erläuterte, wie auf dieser Basis die Umsetzung von Online-Diensten erfolgen kann.

Das Serviceportal.NRW im Portalverbund NRW – nrwGOV als universelle
Portalplattform für das OZG

Das Onlinezugangsgesetz (OZG) fordert die Auffindbarkeit aller Online-Dienste über Verwaltungsportale. Zur Umsetzung dieser Anforderung und zur Anbindung von NRW an den Portalverbund von Bund und Ländern wird Ende 2019 der Portalverbund.NRW in Betrieb genommen. Dieser verbindet die Portale der Kommunen sowie die Online-Angebote der Landesressorts zu einem Verbund. Alle Angebote sind über alle Portale des Verbundes auffind- und aufrufbar. Im Auftrag des MWIDE baut die d-NRW AöR die Landes-CMS Lösung nrwGOV zu einer vollwertigen Portallösung im Sinne des OZG aus und ermöglich so zukünftig die standardisierte Erstellung von Verwaltungsportalen. Mit dem Serviceportal.NRW geht 2019 der Zugang des Landes NRW zu dem Portalverbund.NRW auf Basis von nrwGOV in Produktion. Im Vortrag stellten Martina Knebel vom MWIDE NRW und Pia Honikel von d-NRW den Sachstand der Umsetzung des Portalverbund.NRW sowie der Weiterentwicklung von nrwGOV sowie des Serviceportal.NRW vor. Dabei beleuchteten die Referentinnen auch die Bedeutung dieser Komponenten zur Umsetzung des OZG.

Landesredaktion – Leistungsbeschreibungen und mehr
NRW beteiligt sich mit der Landesredaktion am Föderalen Informationsmanagement (FIM) des IT-Planungsrates. Das Ziel: Die formalisierte Rechtssprache in verständliche Vollzugssprache zu übersetzen. Die Informationserstellung erfolgt in drei Bausteinen: „Leistungen“, „Datenfelder“ und „Prozesse“. NRW nimmt an allen Bausteinen teil. Martina Knebel vom MWIDE NRW und Projektleiterin Janine Pleus von d-NRW referierten über den aktuellen Stand der Umsetzung.
Der Baustein „Leistungen“ baut auf dem Projekt Leistungskatalog (Leika) auf. Letzterer bietet ein einheitliches Verzeichnis der Verwaltungsleistungen über alle Verwaltungsebenen (Bund, Land, Kommune). Leistungen werden sukzessive gemäß der FIM-Struktur/FIM-Module beschrieben. Der Baustein Leistungen ist ein Kernelement des Portalverbunds. Über ihn werden die notwendigen Informationen zum Auffinden einer Leistung und ihrem Online-Dienst ermöglicht.
Der Baustein „Datenfelder“ bietet standardisierte Strukturinformationen zu den zu erhebenden Daten (Datenfelder, Datenfeldgruppen, Regeln, Prüfroutinen). Mit dem FIM-Datenfeldschema lassen sich über Formularmanagementsysteme Online-Anträge generieren. In NRW befindet sich der Baustein „Datenfelder“ noch im Aufbau.
Der Baustein „Prozesse“ modelliert Teilreferenzprozesse. Prozessbeschreibungen sollen dadurch erleichtert und ein Wissensmanagement aufgebaut werden. Derzeit befindet sich der Baustein „Prozesse“ in NRW ebenfalls noch im Aufbau.
Die Landesredaktion NRW soll Ende 2019 den Dauerbetrieb aufnehmen. Ab 2020 sollen die Bausteine „Datenfelder“ und „Prozesse“ zur OZG-Umsetzung genutzt werden.

Der Termin für das nächste ÖV-Symposium steht übrigens schon fest: Am 03.09.2020 findet die Traditionsveranstaltung in der Bundesstadt Bonn statt.