Plattformen für die Zukunft

Rund um das Thema Plattformen drehte sich alles beim diesjährigen Digitalgipfel der Bundesregierung in Dortmund. „Die Digitalisierung betrifft heute unser komplettes Leben“, sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet in seiner Eröffnungsrede. Der Staat dürfe daher nicht langsamer sein, als andere Lebensbereiche. Man müsse mehr Tempo machen und in Netze investieren, so Laschet. Als Beispiel für eine gelungene Plattform des Landes Nordrhein-Westfalen nannte er das Gewerbe-Service-Portal.NRW, über das seit Mitte 2018 Unternehmen elektronisch angemeldet werden können. Ab April 2020 sollen auch Rechnungen elektronisch eingereicht werden.

Schockmoment nach Altmaier-Rede
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier merkte an, dass von den weltweit 60 erfolgreichsten Plattformen lediglich neun aus Europa kämen. Er forderte einen „Airbus der künstlichen Intelligenz“ und eine stärkere Bündelung der Kräfte beim Ausbau der digitalen Infrastruktur. Altmeier wollte ursprünglich am Nachmittag zusammen mit Bundesbildungsministerin Anja Karliczek die europäische Datenplattform „Gaia X“ präsentieren, eine Alternative zu den Diensten amerikanischer Internetriesen. Doch nach dem Ende seiner Rede stürzte der Minister schwer, als die Bühne verlassen wollte. Die Veranstaltung musste unterbrochen werden. Sanitäter versorgten Altmaier vor Ort, bevor er zur weiteren Behandlung in ein Dortmunder Krankenhaus eingewiesen wurde. Die Diagnose: Prellungen, eine Platzwunde und möglicherweise ein Nasenbeinbruch. Wir wünschen dem Minister an dieser Stelle eine schnelle und gute Besserung.

Gewerbe-Service-Portal.NRW und nrwGOV
Neben spannenden Reden konnten sich die Teilnehmer des Gipfels auch an zahlreichen Messeständen informieren und vernetzen. Zusammen mit dem Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen und der publicplan GmbH präsentierte d-NRW das Gewerbe-Service-Portal.NRW und das Content Management System nrwGOV. Zu den Besuchern des Stands zählte auch der nordrhein-westfälische Wirtschafts- und Digitalminister Andreas Pinkwart.

GAIA-X soll digitale Souveränität stärken
In Vertretung für den verletzten Peter Altmaier stellte Peter Jarzombek, Beauftragter des Bundeswirtschaftsministeriums für die Digitale Wirtschaft zusammen mit Forschungsministerin Anja Karliczek das Projekt Gaia-X vor. Mithilfe einer europäischen Cloud- und Dateninfrastruktur soll sich Europa stärker von der Übermacht US-amerikanischer Internetkonzerne emanzipieren. Die Idee: Hunderte von europäischen Unternehmen schalten ihre Kapazitäten zum Speichern und Verarbeiten von Daten so zusammen, dass eine deutlich bessere Nutzung von Informationen möglich wird. Es sollen gemeinsame Standards entwickelt werden, damit Daten aus der Industrie oder von Dienstleistungsunternehmen oder von Mittelständlern besser ausgetauscht werden. Der europäische Cloud-Dienst soll Daten vor einem Zugriff durch US-Firmen schützen und darüber hinaus sicherstellen, dass die Daten weiterhin im Besitz der Privatleute und Unternehmen bleiben. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert die Aufbauphase von Gaia-X mit einem zweistelligen Millionenbetrag. Anschließend sollen die beteiligten Unternehmen die Plattformen finanzieren und betreiben.

Plattform-Ökonomie in den Mittelpunkt rücken
Der Präsident des Digitalverbunds Bitkom, Achim Berg forderte, Jedes Unternehmen solle in den nächsten zwölf Monaten eine Strategie für den Einsatz digitaler Plattformen entwickeln. „Wir haben in Deutschland und Europa eine Vielzahl von Unternehmen, die erfolgreich digitale Plattformen aufgebaut haben oder auf ihnen aktiv sind. In der Öffentlichkeit diskutieren wir aber lieber darüber, wo wir vermeintlich abgehängt sind und welche Gefahren Plattformen bergen könnten. Deutschlands Unternehmen müssen sich die Plattform-Welt erobern“, so Berg. Zugleich forderte Berg eine Politik, die die Chancen der Plattform-Ökonomie in den Mittelpunkt rückt „Wir brauchen einen Rechtsrahmen, der neue, plattformbasierte Geschäftsmodelle fördert und sie nicht erschwert“, sagte der Bitkom-Präsident.

Abschlussrede der Bundeskanzlerin
Die Abschlussrede des Digitalgipfels hielt Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie sprach unter anderem über den Wert von „Open Data“ und warb dafür, dass Humanität und Würde des Menschen ins digitale Zeitalter übertragen werden müssten. Die Bundeskanzlerin lobte Dortmund als „guten Standort für den Digital-Gipfel“. Denn, so Merkel: „Diese Stadt weiß, was Wandel bedeutet. Aus Tausenden Kohlekumpeln hier in Dortmund sind Tausende Studenten geworden.“ Sie versprach künftig Flächen des Bundes stärker zum Ausbau der digitalen Infrastruktur bereitstellen zu wollen. Als Beispiele nannte sie den Bau von Funkzellen und den Ausbau der 5G-Infrastruktur. In Punkto Datensouveränität möchte die Kanzlerin Abhängigkeiten von anderen Staaten in der Welt künftig vermeiden und verwies darauf, dass das digitale Leben kein außerrechtliches Leben sei. Wie Angela Merkel am Schluss ihrer Rede bekannt gab, soll der nächste Digitalgipfel 2020 in Jena stattfinden.