E-Vergabe-Tag 2019

Infoplattform für Vergabestellen

Wenn eine Veranstaltung lange im Vorfeld ausgebucht ist, zeugt das von großem Interesse. Der Nordrhein-Westfälische E-Vergabe-Tag ist eine solche Veranstaltung. Mehr als 350 Teilnehmende füllten am 12. September 2019 das Foyer des Dortmunder BIG-Gebäudes, dem Sitz der d-NRW AöR. Ausrichter waren die Partner cosinex und d-NRW. Im Mittelpunkt standen Neuerungen rund um das öffentliche Auftragswesen in Nordrhein-Westfalen.

Die bekannte und bewährte Veranstaltung eröffnete Markus Both, Allgemeiner Vertreter der Geschäftsführung der d-NRW AöR. Er forderte die Teilnehmenden auf, sich aktiv einzubringen und wies auf die Vorteile einer kommunalen Trägerschaft, insbesondere für Nutzer von vergabe.NRW, hin. Auch das Onlinezugangsgesetz mit seinen hohen Anforderungen sei eine „brennende Angelegenheit“, weshalb die Kommunen sich noch stärker als bisher solidarisieren müssten.

Ralf Sand vom Ministerium der Finanzen NRW referierte zum Thema: „Neue Dimensionen der E-Vergabe“. Dabei fasste er kurz die Entwicklung von vergabe-NRW zusammen: Das Verfahren war im Jahr 2000 die erste Infoplattform zum öffentlichen Auftragswesen in Deutschland. Im Jahr 2015 der Wechsel auf Drupal 7. Mit der Version 4.0 folgt 2019 schließlich die Umstellung auf das von d-NRW und publicplan entwickelte Landes-CMS nrwGOV4.0.

Neu ist auch die Verwendung offener Daten zu öffentlichen Ausschreibungen. So können zum Beispiel historischen Bekanntmachungen künftig auf einer Karte visualisiert werden.

Neben aller Technik komme es am Ende immer auch auf den Menschen an, der sie bediene. Ralf Sand betonte, dass Einkauf aus mehr als Effizienz bestehe. „Der Einkäufer ist das wichtigste Glied in der Kette,“ so Ralf Sand. „Er braucht Erfahrung, um beispielsweise Bieterstrukturen zu kennen und nachhaltig einkaufen zu können.“

Carsten Eschenröder, Leiter Softwareentwicklung bei der cosinex GmbH, gab einen Rück- und Ausblick zu den Modulen von vergabe.NRW. Neu sind etwa die Module „Verhandlungsrunden“ und „Beschaffungsmanagement“. Das ebenfalls neue Modul „E-Angebotsservice“ sorgt für performantere Angebotseröffnungen sowie eine schnellere Bereitstellung der eingegangenen Angebote nach Angebotseröffnung.

Die Version 8.6 des Vergabemanagementsystems wurde in KW 35 ausgerollt, in KW 39 folgt der Rollout der Version 8.1 des Vergabemarktplatzes.

Nach der Mittagspause wurde es juristisch. Gastredner Prof. Dr. Matthias Einmahl von der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Köln, erläuterte, in welchen Fällen vor einer Auftragsänderung ein neues Vergabeverfahren durchgeführt werden muss. Zum Thema Rechtsfragen zur elektronischen Kommunikation bei Vergabeverfahren trug Norbert Dippel, Justiziar der cosinex GmbH vor.

Eine knifflige Frage im öffentlichen Auftragswesen sind die Wertungsmethoden einer Ausschreibung. Denn nicht immer muss sich die Vergabestelle zwangsläufig für das Angebot mit dem niedrigsten Preis entscheiden. Auch das Verhältnis zwischen Preis und Leistung kann ausschlaggebend sein. Wie Anwender verschiedene Wertungsmethoden im Modul Vergabemanagementsystem (VMS) einsetzen können, stellte Dr. Stefan Krusenbaum von der cosinex GmbH vor.

Noch vor dem Ende der Veranstaltung gab es übrigens erste Anfragen nach einem Termin im nächsten Jahr. Dieser wird – voraussichtlich – im September 2020 stattfinden.