Schneeballeffekt für Familien-Navigator

Florian Pfeiffer, Jugendhilfeplaner bei der Landeshauptstadt Düsseldorf

„Guter Start NRW“ bündelt Angebote für Eltern

Der Onlineservice „Guter Start NRW“ ermöglicht es allen NRW-Kommunen mit eigenem Jugendamt auf ihren Internetseiten Familienportale einzurichten. Dort werden Angebote für Eltern gebündelt: Die Bandbreite reicht vom Geburtsvorbereitungskurs bis zu Sportkursen für Vorschulkinder. Wie die Implementierung gelingt, zeigt ein Erfahrungsbericht des Düsseldorfer Jugendhilfeplaners Florian Pfeiffer.

„Guter Start NRW“ heißt in der Landeshauptstadt Düsseldorf „Familien-Navigator“. Damit knüpft der Onlineservice namenstechnisch an den bewährten Kita-Navigator und den geplanten Tagespflege-Navigator an. Die Namensgebung diente dazu, die Akzeptanz des Systems zu erhöhen. Was jedoch weitaus entscheidender war: Die Umsetzung des Familien-Navigators hatte von Anfang an die Unterstützung der Amtsleitung, des zuständigen Dezernenten und konnte sich zusätzlich auf einen Beschluss des Jugendhilfeausschusses berufen. Dennoch war es ein weiter Weg von der Konzeption bis zur kompletten Umsetzung. Anderthalb Jahre später kann sich das Ergebnis sehen lassen: 950 Angebote sind online, 146 Fachkräfte geschult und das Portal konnte seit dem Start im Juli 2019 rund 7.500 Aufrufe verzeichnen.

„Eine dezentrale Struktur ist Grundvoraussetzung zur Bewältigung der Angebotsfülle“, so Florian Pfeiffer. Träger, Einrichtungen und Verwaltungseinheiten pflegen ihre Angebote selbstständig in das System ein. „Um die verschiedenen Akteure zur aktiven Mitarbeit zu motivieren, ist eine hohe Verbindlichkeit nötig“, ergänzt Pfeiffer. Deshalb haben er und seine Kollegen von der Landeshauptstadt Arbeitshilfen erstellt, einen First-Level-Support eingerichtet sowie Schulungen konzipiert und durchgeführt. Durch gemeinsame Prozesse mit allen beteiligten Akteuren ist ein Netzwerk zur langfristigen Koordination entstanden.

Der Familien-Navigator benötig zunächst einmal qualitativ gute Einträge. „Stellen Sie sich vor, ein Nutzer findet bei seiner Suche ein schlecht formatiertes Angebot voller Rechtschreibfehler. Er wird das Portal vermutlich nie wieder besuchen“, sagt Florian Pfeiffer. Ein weiterer Faux-Pas sei eine zu geringe Quantität. Denn auch ein User, der in seinem Stadtteil kein passendes Angebot finde, kehre dem Onlinesystem schnell den Rücken zu. Damit Eintragungen bei einer Systemeinführung nicht gleich veraltet sind, empfiehlt Pfeiffer Trägern nicht zu früh Angebote einzustellen. Als idealer Zeitraum habe sich ein Vorlauf von vier bis sechs Wochen erwiesen.

Anschließend gelte es, das neue Angebot öffentlich sichtbar zu machen. Idealerweise dienen die beteiligten Akteure als Multiplikatoren. In relevanten Gremien, wie etwa dem Jugendhilfeausschuss oder der Arbeitsgemeinschaft der Freien Träger nach §78 SGB VIII sollte das neue Angebot auf die Agenda gesetzt werden. Um möglichst viele potenzielle Nutzerinnen und Nutzer anzusprechen druckte die Landeshauptstadt Düsseldorf außerdem 35.000 Flyer. Schon bald nach dem Go-Live am 10. Juli 2019 profitierte der Familien-Navigator von einem ungeahnten Schneeballeffekt: Eine hohe mediale Präsenz und die Nachfrage nach weiteren Schulungsterminen ließen Widerstände dahinschmelzen und die Zustimmung weiter wachsen. Auch zuvor nicht eingeplante Akteure wie der Arbeiter-Samariter-Bund oder die Bundesagentur für Arbeit zeigten plötzlich Interesse am Familien-Navigator.

Mit den ersten Erfolgen der Düsseldorfer Version von „Guter Start NRW“ ist das Projekt jedoch noch lange nicht abgeschlossen. Es gilt jetzt, die Qualität der Eintragungen weiterhin zu sichern und Rückmeldungen der Akteure auszuwerten. Außerdem sollen Kriterien für die Aufnahme privat-gewerblicher Anbieter festgelegt sowie weitere Akteure und Themenfelder eingebunden werden. Im nächsten Schritt folgt auch die Erweiterung des Systems um Angebote für die Altersgruppe der vier bis sechsjährigen Kinder. Bisher erfasst der Düsseldorfer Familien-Navigator nur das Alterssegment von null bis drei Jahren.

Das Onlinesystem „Guter Start NRW“ ist der Nachfolger des Systems „Frühe Hilfen“, einer Entwicklung des MKFFI NRW. Die Technische Umsetzung erfolgte durch d-NRW in Zusammenarbeit mit BMS Consulting. Die Entwicklungs- und laufenden Nutzungskosten werden aus Landesmitteln finanziert. Perspektivisch sollen weitere Alterskategorien bis zum Übergang Schule / Beruf hinzugefügt werden.

Fünf Tipps für die Einführung von "Guter Start NRW"

1.) Dem System ein „Gesicht“ geben

Benennen Sie einen Ansprechpartner, der den Prozess vom Anfang bis zum Ende koordiniert. Es muss klar sein, wer die Verantwortung trägt und die einzelnen Fäden zusammenführt.

2.) Unterstützung durch Politik und Verwaltungsspitze

Amtsleitungen, Dezernenten und Lokalpolitiker geben dem Projekt idealerweise Rückendeckung. Zögern Sie also nicht, um die nötige Unterstützung zu werben.

3.) Klare, praxisorientierte Strukturen

Nutzer erwarten keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern ein System, dass Ihnen weiterhilft. Die Rollen der Akteure müssen deutlich festgelegt werden. Am Ende muss ein Produkt mit hohem Nutzwert stehen.

4.) Guter Service

Schaffen Sie Verbindlichkeit und versuchen Sie aufkommende Probleme möglichst schnell zu lösen, z. B. durch einen First-Level-Support. Schulen Sie die Nutzer im Umgang mit dem System, dass erhöht die Akzeptanz und führt zu guten Arbeitsergebnissen.

5.) Positive öffentliche Darstellung

Sprechen Sie positiv über das Projekt und betonen Sie die Vorteile. Durch ein freundliches und offenes Auftreten lassen sich möglicherweise auch hartnäckige Skeptiker überzeugen.