XÖV-Standards - damit Daten dieselbe Sprache sprechen

Ein reibungsloser Datenaustausch ist die Grundlage für viele Digitalisierungsprojekte von Bund, Ländern und Kommunen. Dies gilt umso mehr in der Umsetzung des Onlinezugangsgesetztes (OZG) mit seinem „Einer-für-Alle-Ansatz“. Im Bereich der öffentlichen Verwaltung schaffen XÖV-Standards Abhilfe und verhindern unnötige Medienbrüche. Mit XGewerbeordnung und XUnternehmen ist d-NRW länderübergreifender Ansprechpartner für zwei solcher Standards aus dem Bereich Gewerbe.

XGewerbeordnung
Der XÖV-Standard XGewerbeordnung löst ab 2021 XGewerbeanzeige ab und erweitert die Übermittlungsszenarien von XGewerbeanzeige um Antragsszenarien für die Digitalisierung von wirtschaftsbezogenen Leistungen der Gewerbeordnung. Eine erste Version des Standards ist voraussichtlich ab dem 01.05.2022 im Einsatz. Aktuell erfolgt die Modellierung der Antragsprozesse nach § 34c der GewO. Eine Gewerbeerlaubnis nach § 34c benötigen etwa Makler, Bauträger und Baubetreuer.

Der Standard spezifiziert durch fachliche Regeln ein Mindestmaß an Konsistenz und Vollständigkeit der an die Fachverfahren übermittelten Daten. Er spezifiziert jedoch nicht die Formulargestaltung (Antragsmodell) oder Benutzeroberfläche. XGewerbeordnung eignet sich sowohl für die innerbehördliche Kommunikation als auch für die Kommunikation von einem Portal zur zuständigen Stelle. Betreiber des Standards sind neben der d-NRW AöR auch die Koordinierungsstelle für IT-Standards (KoSIT). Herausgeber ist das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi). Aufsichtsgremium ist der Bund-Länder-Ausschuss Gewerberecht.

E-Mail: kontakt(at)xgewerbeordnung.de

XUnternehmen
XUnternehmen ist ein XÖV-Vorhaben des Bund-Länder-Ausschusses eGovernment im BMWi. Es wurde im Juni 2020 von der Wirtschaftsministerkonferenz beschlossen und standardisiert wirtschaftsbezogene Leistungen außerhalb der Gewerbeordnung. Dazu zählen beispielsweise die Sondernutzung von Straßen, die Gaststättenerlaubnis oder die Eintragung in die Handwerksrolle.

Der Standard betrachtet dabei zwei Ebenen: die leistungsbezogene und die leistungsübergreifende. Die leistungsbezogene Standardisierung hat zum Ziel, eindeutige, verlässliche und länderübergreifend einheitliche Vorgaben für die Umsetzung einzelner OZG-Leistungen festzulegen. Im Kontext von XUnternehmen sind dies primär Vorgaben zu den bei dieser Leistung zu erhebenden (Antrags-)Daten. Die leistungsübergreifende Standardisierung hat zum Ziel, eine einheitliche Grundlage, das Kerndatenmodell, zu schaffen.

Das Kerndatenmodell ist ein allgemeiner, rechtlich sauber kontextualisierte Standard-Datenkatalog, der für sämtliche wirtschaftsbezogener OZG-Vorhaben, die eine Datenspezifikation erfordern, angewendet werden kann. KoSIT und d-NRW als Betreiber der Standards XUnternehmen und XGewerbeordnung gehen davon aus, dass hinter den circa 1.000 LeiKa-IDs der gewerberechtlichen Erlaubnisverfahren vergleichsweise wenige „Unternehmens-Konzepte“ stehen. Um eine wirtschaftliche Umsetzung zu ermöglichen, müssen daher gleiche Fachkonzepte frühzeitig erkannt werden. Mit einem „Basisantrag gewerberechtliches Erlaubnisverfahren“ können somit weitergehende Synergien, wie die Anbindung eines Unternehmenskontos und Once-Only erreicht werden. Das Kerndatenmodell umfasst dabei drei Ebenen. Einen normativ semantischen Teil, der die Normbegriffe, Definitionen und die rechtliche Kontextualisierung beinhaltet, einen normativ syntaktischen Teil, welcher den ersten Teil in ein anwendbares technologieneutrales Datenmodell übersetzt, sowie das Basismodul des XÖV-Standards XUnternehmen, als XML-Schnittstelle.

Der Steuerungskreis XUnternehmen besteht aus Vertretern der Länder Berlin, Bayern, Bremen, Niedersachsen, Sachsen und Nordrhein-Westfalen sowie des BMWi. Grundlage des Betriebs und der Modellierung bildet die Verwaltungsvereinbarung ab 2021. Die Geschäftsstelle XUnternehmen ist bei d-NRW angesiedelt.

Nähere Infos unter: www.xunternehmen.de
E-Mail: kontakt(at)xunternehmen.de